Interview

Sieben Fragen an ...

 

7 Fragen an Hundetrainer Anton Fichtlmeier

Birgitt Cordes am 1.2.2011

MeinPaket.de sprach exklusiv mit dem bekannten Hundetrainer Anton Fichtlmeier. Der Hundeflüsterer aus Bayern ist für die von ihm entwickelte Technik „Der Weg des Vertrauens“ international ausgezeichnet worden.

MeinPaket.de: Was ist für Sie Tierliebe?
Anton Fichtlmeier: Tiere nicht zu vermenschlichen. Hunde werden sehr häufig auf eine Person fixiert. Dadurch isoliert der Besitzer sein Tier, und das führt zu Aggressionen beim Hund. Tierliebe mündet bei vielen Menschen in ein Extrem. Hunde sind keine Rudeltiere, wie immer behauptet wird. Sie brauchen kein Alpha-Herrchen, aber einen engen Rahmen. Das Tier muss wissen, wo die Grenzen sind, und das schafft man nicht mit Leckerlis.

Gibt es den perfekten Familienhund?
Ja, aber nicht als Rasse, sondern als Glücksfall. Es gibt natürlich Hunde wie den Mops und die Bulldogge, die einen gutmütigen Charakter haben, die nicht jagen oder hüten. Der Golden Retriever ist zum Beispiel ein Hütehund, der bewacht und zubeißen kann, auch innerhalb der Familie. Der beliebte Labrador verteidigt ebenfalls sein Revier. In jedem Welpenwurf gibt es unterschiedliche Charaktere. Da muss man sich auf sein Gefühl verlassen, aber ich empfehle immer eine Hündin. Wenn es unbedingt ein Rüde sein muss, dann sollte man ihn kastrieren, damit Begegnungen mit anderen Rüden nicht in bösen Kämpfen enden.

Welches sind die klassischen Anfängerfehler bei der Hundeerziehung?
Welpen brauchen Nähe, und gerade am Anfang ist das sehr wichtig, das prägt Tier und Mensch. Was ich häufig sehe, ist, dass junge Hunde ein Brustgeschirr bekommen, das ist völlig unnötig. Hunde sollen sich an ein Halsband gewöhnen, genauso wie an eine Leine. Damit ein Hund gerne neben einem läuft, muss es auf dem Weg spannend sein, und wenn das Tier nicht hört, dann darf man auch mal die Leine hinterherwerfen. Da ist nichts Schlimmes dran. Mit Schmusewörtern wird ein Hund nie gehorchen.

Geht Hundeerziehung ohne Vermenschlichung?
Nein, weil Sprache und Intelligenz bei uns dominieren. Es geht darum, Übereinkünfte zu treffen. Hunde passen sich an, wenn der Mensch entspannt ist. Wer in der Stadt wohnt und gestresst vom Lärm ist, überträgt das auf seinen Hund, dann wird es den auch stören.

Gibt es eine gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Hund?
Der Hund nimmt wahr, wie wir uns fühlen, und so reagiert er auch. Eine klassische Situation: Wir treffen beim Spazieren einen anderen Hund, der uns nicht geheuer ist, man verkrampft sich, und das führt zu Alarmsignalen bei den Tieren, die dadurch auch angespannt sind.

Warum haben Sie sich privat für einen Weimaraner entschieden?
Weil sein Jagdsinn nicht zu stark ausgeprägt ist, er nicht darunter leidet, wenn er nicht jagen kann. Ich bin seit 35 Jahren viel unterwegs, und mir ist es wichtig, einen Hund zu haben, der einen Schutzinstinkt hat, der knurrt und bellt, wenn Gefahr droht.

Was sollte man beachten, bevor man sich einen Hund holt?
Man muss sich klar sein, dass ein Hund viel Freiraum braucht, man in gewisser Weise eingeschränkt ist, das Tier aber viel Freude macht. Ich kann nur sagen, nimm dir einen Hund und werde glücklich.

 

Gegenseitiges Verstehen und füreinander Dasein sollte die Basis der Partnerschaft zwischen Hund und Mensch sein, das ist die Philosophie von Anton Fichtlmeier. Fichtlmeier lädt den Hund dazu ein, sich an seiner Körpersprache zu orientieren, denn deutlichen Gesten des Menschen kann sich der Hund anschließen und freudig folgen. Anton Fichtlmeiers Hundeausbildung wird von zahlreichen Hundeschulen, Trainern und Hundebesitzern erfolgreich umgesetzt. Infos: www.fichtlmeier.de

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